Tag 11 & 12: Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt.

Der elfte Tag der Rallye startete wunderschön am Meer. Nach einem ausführlichen Frühstück haben wir uns auf den Weg gemacht. Geplant war eine Route durch die Berge über ein an der Felswand gebautes Kloster und dann über einen Pass um im Hinterland weiterhin Landstraßen zu nehmen und die Schnellstraße zu meiden.

Der erste Teil der Route war großartig. Vorbei an Hängebrücken und Wasserfällen durch wunderschöne Landschaften und wolkenverhangene Berggipfel.

Auch das Kloster war, wenn auch geschlossen, unglaublich beeindruckend. Von dort aus wollten wir dann auf unsere Passstraßen. Bis wir die Schotterpisten als Straße erkannt hatten sind wir das Tal vier mal hoch und runter gefahren. Dann ging es “aufi”. Leider nicht lange, denn nachdem wir mir Ach und Krach einen Flusslauf durchquert hatten erklärte uns ein entgegenkommender einheimischer dass unsere E-Klassen ungefähr 30 cm zu tief liegen würden und das er trotz deutlich höherer Bodenfreiheit umgedreht hätte. Also wieder zurück durch das Wasser. Die Videos kommen noch.

Wir sind dann durch das ganze Tal zurück auf die Schnellstraße gefahren und haben die restlichen Kilometer zur georgischen Grenze abgerissen.

Dort wurden wir gegen 10 Uhr in die wartende Autoschlange gestellt und haben uns ganz langsam vorgetastet. Leider kann der Fahrer dabei das Auto nicht verlassen, denn sobald es eine Lücke gibt, drängelt sich ein Anderer hinein. Das ist auch uns passiert. Aber “don’t mess with the Germans”. Wir haben den Pickup eingekeilt und sind an ihm vorbei gefahren. Das fand ein Türke so witzig, dass er gleich noch andere Teams aus der Warteschlange geholt und mit in die von uns geschaffene Lücke gewunken hat.

Nach langem warten ging es dann durch die Grenze, vorbei an fünf Grenzposten der Türkei in die georgianische Spielerstadt Batumi und dort ins hässlichste Fahrerlager der bisherigen Route. Ein matschiger Parkplatz an der Hauptstraße. Wir haben uns den Platz dann aber schön getrunken und gegen 5 bin ich ins Bett gekrochen.

Am nächsten morgen war es der Plan Versicherungen zu besorgen. Also ohne Frühstück aufgesessen und auf die Straße. Bis zur Versicherung wären es 5 Kreuzungen gewesen. Leider hat Peter mit Schnegge schon die erste nicht überstanden. In Georgien sind Kreisverkehre normale Kreuzungen bei denen man heraus finden muss welche Straße sie Hauptstraße ist. Die hat Vorfahrt. Das wusste Peter nicht und hat sich zu weit vorgewagt. Dabei hat es sofort geknallt. Das Ergebnis kennt ihr schon.

Leider war das OK nicht wirklich hilfreich. Unser Anruf wurde nur mit einem “da können wir nicht helfen, ruft die Polizei” kommentiert. Zum Glück erschien Anzo, ein georgischer LKW-Fahrer, der deutsch und georgisch sprach und uns über den Tag begleitete.

Und so teilten wir uns auf. Die Basis wurde zunächst der örtliche McDonald’s, da es dort freies WLAN gab. Sandra & Josh organisierten die Versicherungen für die verbliebenen Fahrzeuge, Kati & Chris hielten die Stellung und Peter & ich gingen mit Anzo los um den Unfall abzuwickeln. Das gestaltete sich schwieriger als gedacht: zunächst war der Eigentümer des Fahrzeuges nicht aufzutreiben, dann fuhren wir mit Anzo zu einem Lebensmittelgeschäft. Im ersten Stock, hinter getöntem Glas stand ein langer Tisch, an dem bereits 5 oder 6 grimmige Georgier saßen und uns die Bedingungen diktierten unter denen sie und die Bescheinigung unterzeichnen würden mit der wir unser Auto wieder bekommen würden: wir sollten einen “Meister” finden der den Schaden schätzt und uns eine Liste der Teile gibt. Deren Preise sollten wir ermitteln und den Betrag zahlen.

Dank Anzo fanden wir einen Meister der eine Teileliste in georgischer Schrift verfasste und verkündete, das die Reparatur zusätzlich zu den Teilen 300 Lari und die Lackierung 150 $ kosten würde. Mit der Teileliste ging es dann zum Fordhändler. Der erklärte, dass die Teile bestellt werden müssten und in Georgien rund 1.500,00 € kosten würden. Wir sollten in die Türkei fahren und sie da besorgen. Eine lesbare Teileliste bekamen wir nicht. Lediglich die Zusage dass bis zum nächsten Tag die georgischen Preise abgeklärt sein würden. So setzte uns Anzo wieder am McDonalds ab.

Wir besprachen die Lage und da wir unsere Spenden eigentlich schon am selben Tag in Tiflis übergeben haben sollten, es aber zwischenzeitlich 18:00 Uhr und Tiflis 6 Stunden entfernt war, teilten wir uns auf.

Josh und ich fuhren mit unserer Perle und allen Spenden die nicht bei der Polizei geblieben waren nach Tiflis. Der Rest nahm sich ein Hotelzimmer um an Donnerstag weiterhin an der Regulierung zu arbeiten.

Nach einer kurzen Dusche in Hotel machten sich Josh und ich auf den Weg. Wir haben tatsächlich 6 Stunden gebraucht obwohl wir wirklich über die Schlaglochpisten geflogen sind. Gegen ein Uhr erreichten wir das Fahrerlager am Fussballstadion in Tiflis und erzählten ungefähr 100 Mal wie es uns ergangen war. Zwischendrin klärten wir mit Nana vom Kindergarten ab, dass sie uns am nächsten Morgen um 9:00 Uhr am Stadion abholen würde.

Eine Sache muss erwähnt werden. Nämlich die Hilfsbereitschaft aller anderen Teams! Sofort wurden uns mehr Spenden von angeboten als wir je hätten in unser Auto stopfen können. Wir wurden mit Telefonnummern und Kontakten bis hin zur Botschaft versorgt. Vielen vielen Dank dafür! Ganz besonders den Unicamels, PersiGo und Sugar Racing!

Wenn ich es schaffe werde ich heute noch den Bericht von Josh und mir vom heutigen Donnerstag in Tiflis verfassen und hochladen. Drückt ins bitte weiterhin die Daumen. Noch sind wir nicht aus Georgien hinaus!

Viele Grüße
Carlos

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