Tag 16: die ersten Touristen im Wohnzimmer

Am Sonntag, dem 16ten Tag unseres Abenteuers erwachten wir, wie zwischenzeitlich gewohnt, nach einer sehr kurzen Nacht. Direkt nach dem aufstehen erklärten die Unicamels in 15 Minuten losfahren zu wollen. Für uns schlichtweg unmöglich. Zum einen weil wir morgens länger brauchen und zum anderen weil schon der tägliche Umbau und das Umräumen der Autos länger brauchen. Zu sechst in zwei Autos zu fahren erfordert einiges an Kompromissbereitschaft und Organisation.

So sind wir ca. 45 Minuten später alleine gestartet, haben aber nach kurzem das Team Schwabenstahl Volvopower an der Tankstelle getroffen und von dort ins sind wir wieder einmal gemeinsam gefahren.

Die Strecke war lang und vernünftige Verbindungen über Landstraßen gab es nicht. Das lag vor allem daran, dass wir etwa auf halber Strecke nach Kapadokien in Burhans (Ein Mitglied des OK) Geburtsort anhalten und dort die mitgenommenen Schulranzen abgeben sollten. Also entschlossen wir uns schweren Herzens einen ruhigen Tag einzulegen und die Schnellstraßen zu nehmen.

Die ganze Strecke war relativ ruhig und bis auf die schönen Landschaften ereignislos.

Burhans Geburtsort ist ein kleiner, einfacher Ort in der Nähe der Stadt Hafik. Die dortige Grundschule hat zwei Lehrer und 22 Kinder. Empfangen wurden wir von Frauen in schönster Tracht. Burhans Frau, die die Rallye selber mitfährt, führte uns durch die Schule, erklärte und übersetzte. Zum ersten Mal überhaupt kamen dieses Jahr Fremde in das Dorf. Die Einwohner werden ein interessantes Bild von den Deutschen gewonnen haben.

Wir waren das letzte Team vor Ort und so waren nicht viele Kinder da. Diejenigen die da waren, waren aber die wohlerzogensten der bisherigen Tour. Keiner riss uns Gummibärchen aus der Hand und alle grüßten uns im Englisch oder Deutsch.

Im Anschluss daran sind wir noch durch das Dorf gelaufen und haben noch vorhandene Spenden und Gummibärchen an Kinder verteilt. Sofort würden wir in eines der Häuser zum Çay gebeten. Eine solche Einladung schlagen wir nie aus. Und so saßen wir alle – die Teams Fehlzündung und Schwabenstahl – in der Einraumwohnung der Familie und bekamen Tee. Die Wohnung bestand aus einem Raum in der Größe einer Doppelgarage. Im vorderen Bereich war die Küche – bestehend aus einem Regal für Geschirr, Gaskocher, Feuerstelle und natürlich Teekannen – an der Rückwand stapelten sich die Vorräte. Dazwischen standen entlang der Wände lange Bänke die, wenn nicht 12 verrückte Deutsche einfallen, wahrscheinlich auch als Bett genutzt werden. In diesen einfachen Verhältnissen lebt die ganze Familie. Beim Tee blieb es nicht. Die Familie versorgte uns mit Brot, Tomaten, Gurken und Schafskäse. Dazu gab es unendlich viel Çay.

In diesen Situation bereuen wir jedes Mal, das sich im Vorfeld niemand von uns mit der türkischen Sprache begast hat. Es wäre so schön sich mit all den unglaublich freundlichen Menschen verständigen zu können.

Nach ca. einer Dreiviertelstunde haben wir unsere Autos geholt und sie zum unterschreiben vor die Tür gestellt. Außerdem haben wir verschenkt was wir noch dabei hatten und ein Gruppenfotos der ganzen Familie und uns gemacht. Während die Mädels mit den Kindern Ball spielten, hat Rouven von den Volvos die Bilder direkt auf dem Fotodrucker ausgedruckt. Die Freude war riesig und man bat sofort um weitere Abzüge. Später hat uns Burhan erzählt, dass die Bilder am Nachmittag stolz im ganzen Dorf herumgereicht wurden. Diese Idee werden wir aufnehmen und weiter verfolgen – unser Drucker liegt seit Tag eins im Kofferraum.

Danach sind wir wieder auf die Schnellstraße gefahren und haben uns die Zeit mit einer Wasserschlacht von Auto zu Auto vertrieben. Es ist gar nicht so einfach bei 120 mit einer angebohrten Wasserflasche von einem Auto ins andere zu spritzen.

Unterwegs haben wir über Facebook & WhatsApp erfahren, dass das Fahrerlager auf einem Migros-Parkplatz liegt aber gegenüber ein Hotel das Doppelzimmer für ca 25 € die Nacht anbietet. Und so haben wir das erste mal freiwillig ein Hotel gebucht. Natürlich liesen wir den Abend noch feuchtfröhlich ausklingen. Fragt mich nicht wann er ins Bett sind, um 4 habe ich das letzte Mal auf die Uhr geblickt.

Viele Grüße
Carlos


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