Tag 18: salziges Rennen

Die vorvorletzte Rallyeetappe begann morgens im Fahrerlager am Salzsee als mir ein OK-Mitglied durch das offene Fenster ein Handy ans Ohr hielt, auf dem “Guten Morgen liebe Sorgen, guten Morgen Sonnenschein…” oder so ähnlich lief.

Mein Plan pünktlich eine halbe Stunde nach angeblichem Rennbeginn aufzustehen, scheiterte damit kläglich. Also haben wir uns aus den Autos gequält und den Saustall vom Abend vorher aufgeräumt. Natürlich war, als wir fertig waren, noch kein Zeichen irgendeines Rennens zu sehen. So sind wir dann auf die Dämme im Salzsee gefahren und haben das Licht und Farbenspiel genossen – Salzsee, Horizont und Himmel sind vollständig miteinander verschmolzen.

Dabei erreichten wir ein Häuschen an dem ein Team mit OK-Mitgliedern herum stand. Zu faul zum Wenden auf dem Damm haben wir brav gewartet bis die anderen weg fuhren. Da stürmte Wilfried vom OK auf ins zu und fragte “Zeit?”. Mit der Uhrzeit war er offensichtlich nicht zufrieden zu stellen und so wurden wir zu Jochen ins Lager geschickt.

Dort reihten wir uns – wie gewohnt als letztes Team – in die Schlange ein. Jochen erklärte uns dann, dass es statt eines Rennens eine Rallyeprüfung zu absolvieren gab: wir sollten mit genau 40 km/h über die Dämme zu Wilfried fahren und die Zeit stoppen. Dort sollten wir dann genau 777 g Salz schöpfen.

Kein Thema – Realgeschwindigkeitsanzeige im “Debug-Mode” des Steuergerätes über die Klimaanlage aktiviert und Tempomat an. Gleichzeitig haben wir unterwegs die Kilometer gestoppt und ausgerechnet wie lange wir brauchen müssen. Wir haben das ganz gut getroffen, auch wenn die letzte Kurve knackig war. Wilfried war jedoch der festen Überzeugung, dass wir zu schnell gewesen wären. Ich diskutiere nicht mehr mit dem OK. Sollen sie es machen wie sie wollen. Danach ging es zurück zu Jochen der auch noch eine Zeit wollte. Hatte uns keiner gesagt, außerdem hingen wir hinter dem Team Schwabenstahl Volvopower fest. Eigentlich Wurscht. Beim Salz haben wir gut geschätzt. 739 g hatten wir im Gepäck. Dann mussten wir noch unser Roadbook abgeben und waren befreit.

Zusammen mit den “Volvos” haben wir uns auf die Suche nach einem Badesee gemacht, der kilometermäßig gar nicht so weit weg war – ca. 150. Die Strecke verlief aber über kleine Straßen im Zickzack uns so erreichten wir den See erst am Nachmittag. Dort wurde dann gebadet und gevespert bevor es wieder zurück auf die Straße ging. Der Weg zum See hatte uns weit nördlich der direkten Route geführt – deutlich südlich waren auf unserer Karte sehenswerte Straßen eingezeichnet. Wir fahren ja bekanntlich gerne und früh im Fahrerlager sein bedeutet nur mehr Geld für Bier auszugeben – also ab auf die Strecke. Und das hat sich gelohnt! Ein Panorama habe ich euch ja bereits auf Facebook geteilt. Glaubt mir es gab viele mehr und im Abendlicht sieht alles nochmal besser aus.

An dieser Stelle ein kurzer Einschub: Vielen Dank an Matthis Meinrenken. Die von Ihnen zur Verfügung gestellten Karten von Marco Polo sind Gold wert. Zum einen weil sie für ihren Maßstab unglaublich detailliert sind und zum anderen weil hier eben auch lohnenswerte Ziele und schöne Straßen eingezeichnet sind.

Als sich das Licht verflüchtigte suchten wir uns in Dilan ein Restaurant fürs Abendessen. Wir landeten im “Atatürk Parki – Aile Çai Bahçesi”. Als wir fragten ob es etwas zu essen gäbe, wurden wir nett angelächelt und herein gebeten. Nach einiger Zeit kam als Bedienung ein junger Mann der perfektes Englisch sprach. Es stellte sich heraus, dass er bis vor vier Jahren in Australien gelebt hat. Er erklärte uns, dass es eigentlich nichts zu essen geben würde, sie aber Karten und Essen aus dem benachbarten Imbiss holen würden. Eigentlich hatten wir etwas anderes eingeplant aber alle waren so nett, dass wir blieben und Köfte, Hamburger und HotDogs aßen.

Bevor wir starteten wurden wir gebeten noch ein gemeinsames Foto zu machen. Als wir so mit den Bedienungen und dem Eigentümer des “Restaurants” vor der Tür standen, brachen alle Dämme. Alle Menschen, die die fünf vor der Tür stehenden Rallyeautos heimlich betrachtet hatten, kamen dazu und wollten auf den Autos unterschreiben und Fotos machen. Sogar die Polizei stellte sich ein und unterschrieb auf einem der Volvos. Nach vielen Bildern und guten Wünschen verabschiedeten wir uns Richtung Nordwesten nach Uça.

Dort fanden wir das Fahrerlager recht schnell. Es war in einer Art Parkhaus mit hohen zeltähnlichen Decken untergebracht. Schon von weitem war klar, dass es erstens recht voll und zweitens durch einen Haufen Einheimische belagert war, die den verrückten Deutschen mal zeigen wollten was ihre Roller und Autos für Krach machen können und wie man am besten Reifen neben schlafenden Menschen beim Burnout verbrennt.

Nach kurzer Diskussion haben wir unser Lager daher ca. 50 m weiter auf einem öffentlichen Parkplatz aufgeschlagen. Von dort sind Kati und ich ins Fahrerlager, die anderen in eine Shisha-Bar gegangen.

Der Abend der Anderen muss auch sehr lustig gewesen sein. Nach der Shisha-Bar ging es wohl noch in einen Club und anschließend liesen sie den Abend auf einen Kinderspielplatz ausklingen. Aber davon müssen sie selbst berichten.

Im Fahrerlager war es auch super. Mir wird diese dauerhafte Festivalstimmung sehr fehlen. Zwischen viel Bier und einigen schwierigen Situationen in die Äxte und Motorhauben involviert waren, habe ich den Petrolheads noch unseren Wagenheber geliehen. Die Jungs haben bereits zwei Wagenheber zerstört und die innere Blechabdeckung der Hinterradbremse schliff am Rad. Die Gegenleistung wurde, wie so oft, in der universellen Rallyewährung – Bier – erbracht.

Irgendwann gegen zwei bis halb drei bin ich dann in unser Bett geklettert. Josh war noch unterwegs. Am nächsten Tag sollte es dann im Konvoi zur Canyon-Durchfahrt gehen.

Viele Grüße
Carlos


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